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Hintergrund - Finanzmärkte

Einführung: Finanzmärkte und Globalisierung Was sind Finanzmärkte? Finanzmarkt ist der Oberbegriff für drei Teilmärkte:

die Kreditmärkte, die Wertpapiermärkte (Anleihen, Aktien und Derivate) und die Devisenmärkte (Handel mit Währungen), wobei die einzelnen Sektoren untereinander interagieren. Auf diesen Teilmärkten haben die rasanten Entwicklungen der letzten beiden Jahrzehnte neue Finanzinstrumente hervorgebracht (z.B. Derivate), die nicht mehr eindeutig einem Segment zugeordnet werden können. Diese Vermischung ist charakteristisch für die gegenwärtige Ausgestaltung der Finanzmärkte. Dabei sind die ökonomischen Grundfunktionen der Finanzmärkte sehr überschaubar. An erster Stelle sollen Finanzmärkte die Möglichkeit bieten, Mittel für Investitionen bereitzustellen. Investitionen sind die Grundlage wirtschaftlichen Wachstums. Zu ihrer Verwirklichung müssen Investoren - Staaten, Unternehmen und Privathaushalte - die benötigte Finanzierung, die sie nicht aus ihren eigenen finanziellen Mitteln decken können, durch Fremdfinanzierung sichern.

Das internationale Finanzsystem dient der Finanzierung von grenzüberschreitendem Handel. Wenn ein deutscher Maschinenbauer eine Turbine nach Kanada oder ein Farmer aus Ghana seinen Kakao in die Bundesrepublik verkaufen möchte, dann muss der Kaufpreis von der einen Währung in die andere transferiert werden. Das Gleiche gilt für den Handel mit Dienstleistungen. Ein deutscher Tourist, der Ferien an der Copacabana macht, muss seine Euro in brasilianische Real tauschen, um seine Urlaubsausgaben zu decken. Solche internationalen Finanztransaktionen finden täglich millionenfach statt (aus: Kapital braucht Kontrolle, 3. Auflage, Kairos Europa und Weed e.V., 2001).

Was ist Globalisierung? Die Globalisierung ist ein Umbruchprozess von historischer Tragweite, der alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst und in die Lebenswelt jedes Einzelnen eingreift. Sie erfordert in ihrer gegenwärtig dominierenden, neoliberalen Variante enorme Anpassungsleistungen der Individuen an eine bisher unbekannte gesellschaftliche Dynamik.

Globalisierung ist ein mehrdimensionaler Prozess, dessen Kern die Integration liberalisierter und deregulierter Finanzmärkte ist. Deren Dynamik hat einen bestimmenden Einfluss auf die Entwicklung der gesamten Gesellschaft gewonnen. Parallel und wechselwirkend dazu findet eine Internationalisierung der Güter- und Dienstleistungsmärkte sowie der Wertschöpfungskette statt. Grundsätzlich neu sind ökonomische Internationalisierungsprozesse nicht. Bereits infolge der Eroberung Amerikas gab es eine solche Internationalisierungswelle. Die Erfindung der Dampfmaschine und der Aufstieg des Industriekapitalismus führten zu einer neuen Globalisierungswelle.

Die ökonomische Globalisierung entfaltet sich in Wechselwirkung mit technologischer Innovation - vor allem Kommunikation und Digitalisierung, was zu einer enormen Beschleunigung auf allen Gebieten führt. Die Globalisierung hat eine bedeutende kulturelle Dimension. Sie bringt neue Leitbilder, Normen, Lebensweisen und Wertorientierungen hervor und setzt bestehende unter starken Anpassungsdruck. Globalisierung ist jedoch kein gesellschaftspolitisch neutraler, objektiver oder gleichsam naturhafter Prozess. Sie steht unter einem bestimmten Leitbild, dem Neoliberalismus, hinter dem wiederum ökonomische Denkrichtungen (Neoklassik, Monetarismus) stehen. Dem grundlegenden Dogma des Neoliberalismus zufolge ist der Markt das beste Regulativ gesellschaftlicher Entwicklung. Zugleich wird den privaten Unternehmen eine prinzipielle Überlegenheit über politische/staatliche Akteure zugeschrieben (liberaler Antietatismus). Die Globalisierung ist zwar nicht für alle Übel in der Welt verantwortlich, in ihrer neoliberalen Variante hat sie aber bestehende Probleme verschärft, zahlreiche neue geschaffen und viele Verlierer und wenige Gewinner hervorgebracht.

Zu den Verlierern gehören Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd sowie innerhalb der Entwicklungs- und der Industrieländer. Armut und soziale Polarisierung nehmen weltweit zu. Hauptverlierer sind die Entwicklungsländer bzw. deren unterprivilegierten Massen. Die parlamentarische Demokratie wird durch die neoliberale Globalisierung untergraben. Die Global Players bestimmen ohne jegliche demokratische Legitimation zunehmend die Entscheidungen von Regierungen. Die sozialen Verwerfungen und die ökonomische Instabilität können leicht zu politischer Destabilisierung führen. Diese äußert sich gegenwärtig in verschiedenen Spielarten von Fundamentalismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus etc. Auch die Umwelt ist unter die Walze der weltweiten Liberalisierung und Deregulierung geraten. Die kulturelle Vielfalt wird durch die asymmetrische, überlegene ökonomische Potenz des Nordens im Bereich Kommunikation und audiovisuelle Dienstleistungen zurückgedrängt.

Internationalisierung ist jedoch nicht per se negativ. Im Gegenteil. Die globalisierungskritische Bewegung beruft sich auf Traditionen des Humanismus ("Alle Menschen werden Brüder"), den internationalistischen Anspruch der Arbeiterbewegung und den Solidaritätsgedanken der Neuen Sozialen Bewegung.

Alternativen zum neoliberalen Kurs sind möglich. Die globalisierungskritische Bewegung versucht Ansätze dazu populär zu machen. Ihr Ziel ist die Globalisierung von sozialer Gerechtigkeit, Demokratie und umweltgerechtem Verhalten. Sie ist, anders als Fundamentalismus, Rassismus etc. die emanzipatorische Antwort auf Verunsicherungen und Herausforderungen der Globalisierung. (aus: Schuldenreport 2003, WEED e.V.)

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